Presse und Rezensionen

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Rezension auf Amazon.de
5/5 Sterne

Dennis Schmidt

Faszinierend, spannend und hervorragend verstörend

Rezension aus Deutschland vom 10. Dezember 2025

In einer postrevolutionären, kommunistischen Gesellschaft tragen sich unerklärliche Ereignisse zu. Die Toten stehen wieder auf! Auf dieser Prämisse baut die gesamte Geschichte auf.
Es geht um die neuen Bedingungen, die durch dieses Ereignis für die Gesellschaft entstehen, die Art und Weise, wie die Gesellschaft mit den neuen Anforderungen umgeht, welche politischen Konflikte entstehen, welche (sexuellen) Möglichkeiten und Fantasien, welche neuen tragischen Geschichten. Ich finde es toll, wie innerhalb dieser Welt alles Denkbare exploriert wird, manchmal auch auf verstörende Weise, und dass letztlich auch eine bzw. mehrere Storylines gewoben werden, die ich als Leser mit Spannung verfolgt habe und die zu einem würdigen Ende gebracht werden.

TLDR: Der Start ist klasse, das Ende ist klasse, die Charaktere sind faszinierend und ihre Storylines interessant, spannend und teilweise auf hervorragende Weise extrem verstörend.

Das Buch setzt sich aus mehreren Erzählsträngen zusammen, die nicht alle miteinander vernetzt sind. Die Haupt-Storyline exploriert vor allem die politischen Implikationen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie umfasst die Geschehnisse um Karl X (der fiktive Herausgeber des Buches), Imana Ahbi, Noyan, Steven, Margarete Decker usw.
Dann gibt es 4 weitere Storylines, die in keinerlei Verbindung zur Haupt-Story stehen: (1) Hieronyma, (2) Linh/Mina/Chloé, (3) Er und Sie im Wald und (4) Tebens Reise. Gewissermaßen kann man jede von diesen Storys als eigene kleine Kurzgeschichte innerhalb des Buches verstehen, aufgeteilt auf mehrere Kapitel, die über das Buch verstreut sind.

Der Einstieg ins Buch ist für mich besonders gelungen. Er ist fesselnd, spannend, schockierend und macht Lust auf mehr. Die zentralen Themen, um die es im Buch geht, werden eingeführt: Wir sind in einer postrevolutionären, kommunistischen Gesellschaft, in die wir erste Einblicke bekommen. Es gab einen Krieg – und es gibt noch heute reaktionäre Strömungen, politische Gräben, die wieder aufbrechen könnten. Und es gibt vermutlich Untote, die Leute umbringen. Mehr wissen wir zu Beginn noch nicht über diese rätselhaften Gestalten, aber der Vorhang ist gefallen und wir haben einen ersten Eindruck von der Bühne und erste Erwartungen an das, was noch kommt.
Im Laufe von Teil 1 werden zentrale Charaktere etabliert, die uns begleiten werden: Vor allem Karl X, der die an die Öffentlichkeit tretenden Erkenntnisse rund um die Untoten erzählt und selbst darin verwickelt ist.
Der erste Teil des Buches ist super spannend, fesselnd und ja: manchmal auch verstörend. Es wird schnell klar, dass die Wiederkehr der Toten nicht von allen in der Gesellschaft begrüßt wird. Es entstehen politische Strömungen, die versuchen, die Untoten zu bekämpfen, andere begrüßen den Triumph des Lebens über den Tod als ultimativen Sieg über die Natur. Gleichzeitig spielen Themen wie Depression, Liebe, Sex und politische Philosophie eine große Rolle.
Auch Teil 2 und 3 sind fesselnd und gut geschrieben. Immer wieder werden neue Charaktere eingeführt, die aber spätestens zum Ende von Teil 2 so gut etabliert sind, sodass jedes Kapitel eine Storyline fortsetzt, von der die Leser:in wissen will, wie es weitergeht.

Besonders faszinierend fand ich die Linh-Chloé-Mina-Storyline, auch wenn sie nur entfernt mit der Haupt-Storyline zu tun hat. Sie zeigt typische, auf die Spitze getriebene Abhängigkeitsverhältnisse in einer Beziehung. Linh spielt hierbei den „männlichen“ Part der Herrscherin und Chloé ist die Unterwürfige. Ich finde es toll geschrieben, wie Linh dargestellt wird. Ihr Charakter ist einer meiner Lieblingscharaktere des Buches. Nicht weil ich sie mag – Gott, sie ist wirklich nicht liebenswert, sondern weil sie auf den Punkt perfekt dargestellt wird wie eine Person mit einem sehr autoritären Charakter, die es mag zu herrschen, aber auch, beherrscht zu werden. Sie gräbt ohne irgendeinen Grund ein Loch, weil sie es mag zu arbeiten, zu schwitzen, sich dreckig zu machen, und ihren Köper darzustellen. Sie mag es, andere herabzusetzen und ihnen, wenn sie am Boden liegen, ins Gesicht zu treten. Linh ist so Stereotyp (und doch weiblich) und hält vielen Menschen in unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Gerade in den Kapiteln, die aus ihrer Sicht geschrieben sind, kommt das hervorragend heraus. Sie macht sich nicht zu viele Gedanken um die Gefühle anderer und ihr geht es einfach gut. Sie geht mit der Einstellung durchs Leben (und den Tod), ihr könnte nichts passieren. Dieser Charakter wird toll herausgearbeitet. Kapitel 46 („Das Loch“) ist eines meiner Lieblingskapitel.
Menschliche Beziehungen sind faszinierend, und ich finde, dass der Autor die abstruse Art, wie menschliche Beziehungen teilweise funktionieren, hier hervorragend spiegelt und ins Extreme zieht, ohne dabei in der Darstellung plump oder unglaubwürdig zu werden.
Ich finde, dass diese Geschichte, auch wenn sie nicht verbunden ist mit der Haupt-Story, das Buch extrem bereichert. Sie ist nämlich ähnlich wie die Haupt-Story politisch und reflektiert den autoritären Charakter und moralische Fragen.


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